TAO, ein Begriff der chinesischen Sprache, bedeutet: Weg, Straße, Lehre, Methode, Weltgesetz, Logos. Die Übersetzung "Gott" ist sehr unzulässig, denn dieser Begriff ist im europäischen Denken in ein Theologiesystem mit anthropomorphen Gottesvorstellungen gepreßt worden, welches seine Berechtigung auf eine Moraldoktrin stützt. Erst den Mystikern blieb es vorbehalten, "Gott" aus dem Korsett von Moral und Dogmatismus zu befreien und ihm die menschliches Vorstellungsvermögen übersteigende, unfaßbare Größe wiederzugeben.

Um die ständige Gegenwart von TAO erfahren zu können, muß der Mensch das typisch Menschliche in sich erkennen, es als Ausgangsbasis für seinen Rückweg annehmen, um es im Prozeß der inneren Umwandlung zugunsten eines anderen Seinszustandes zu überwinden. Dies ist Teil des Weges zu TAO und seiner Manifestation in TE, der Urmutter aller kosmischen Offenbarung.

Es gibt nicht nur einen Weg, sondern es gibt viele Weg e, die zu TAO führen können. Jeder Weg erweist sich als der geeignete, wenn im Sucher die unstillbare Sehnsucht nach dem Urgrund alles Seins und Nicht-Seins vorhanden ist. Denn dann werden ihn alle von Menschen erdachten, ausformulierten und verbreiteten Lehren der Philosophie, Religion, Ethik und Moral "enttäuschen", denn diese angestrebten Ziele werden den Sucher nach der ersten und letzten Ursache des Lebens nur vorübergehend in ihren Bann ziehen und ihn dann erneut auf die Suche treiben. Ohne diese nicht weiter benennbare Sehnsucht bleibt der Sucher an einer Wegstrecke stehen und gibt sich zufrieden mit erklärbarem und lehrbarem Wissen von den Ursprüngen der Welt und den Dingen.

Nur der faustische Mensch verläßt den Bereich des intellektuellen Wissens und versucht über die Magie zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Wenn auch dieser Versuch, obwohl er zu Einblicken in tiefere Sphären der Erscheinungen führt, das innere Drängen nach der Quelle nicht befriedigen konnte, übergibt sich der Sucher der Führung seines Herzens. Durch seine Erfahrungen, die sich schmerzhaft in sein Wesen eingebrannt haben, ist sein Unterscheidungsvermögen so geschärft, daß er Täuschungen, die aus seinem menschlichen Bereich der Psyche aufsteigen, von jenen nicht persönlich gefärbten Impulsen aus einer anderen Seinsebene unterscheiden kann. Wenn er auf die Verwirklichung  s e i n e s  Lebens verzichten kann, dann öffnet sich ihm die Tür zum  L E B E N.

Stammelnd wird er sein Erleben und Erfahren des letzten Geheimnisses etwa so formulieren:

"Es gibt da ein nicht faßbares Etwas, formlos, chaotisch
und doch schöpferische Urmasse allen Werdens,
schon daseiend vor der Entstehung von Himmel und Erde;

tonlose Stille –
formlose Leere –
in sich allein ruhend, ohne Wandlung –
unerschöpflich, alles durchdringend –
hieraus bildet sich die Urmater der Schöpfung.
Ich weiß ihm keinen Namen
und nenne es TAO."
(Tao Te King, Vers 25)

Der Einweihungsweg des Suchers auf dem Weg der Rückkehr ins Vibrationsfeld von TAO besteht darin, daß er den Anteil von degeneriertem TE täglich in sich weniger werden läßt. Aus dem Scheinleben im Eigenwahn erwacht der Sucher auf der Ebene der kosmischen Wirklichkeit. Seine Identifikationen mit der Antischöpfung müssen nun absterben, damit er frei wird für die kosmischen Urprinzipien. Das Absterben ist aber kein Kampf gegen das Böse, sondern es besteht im täglichen Herauslösen aller Wurzeln, die der Schein und nicht das Sein in seinen Mikrokosmos eingesenkt haben. Die sich vollziehende Umwandlung ist nicht materiell, sondern substantiell. So wird er befähigt, das Doppelkleid der Ewigkeit aus hohem TE zu weben – die erste Transformation. (Tao Te King, Vers 52)

Dieser Mensch erfährt jetzt die Rückkehr in die erste Kindschaft. Alle Erfindungen, die der Mensch in der Abkehr vom kosmischen Urprinzip geschaffen hat, kann er ablegen. Durch ihn fließt erneut das TAO der Urschöpfung und bewirkt in ihm die Wiedergeburt des Bewußtseins – die zweite Transformation. So kennt er das ganze Universum, ohne einen Schritt aus seiner Tür zu machen. (Tao Te King, Vers 47)

Die Schöpfungsimpulse aus TAO, die sich in TE materialisieren, fließen wieder ungehindert und lassen das große Werk der alchimischen Hochzeit sich vollenden. (Tao Te King, Vers 68)

Kontakt / ImpressumSatz / LayoutAuf einen BlickBildbearbeitungDruckrealisierungWerbenMittelpunkt KundeIllustration / FotografienKorrektorat / LektoratÜbersetzungenSchreibarbeiten